Unsere Ziele – mehr als nur Fassade

Auch nach der Eröffnung des Humboldt-Forums setzen wir uns konsequent für mehr Schloss im Schloss ein. Nur durch eine Rekonstruktion ausgewählter historischer Räume findet die Wiederherstellung der Außenfassaden ihre sinngemäße Vollendung. Prädestiniert dafür sind die Schlüterschen Paradekammern mit dem Rittersaal und dem Großen Treppenhaus.

Wir fordern die Rückführung der zahlreich erhaltenen Kunstwerke aus dem Berliner Schloss. Dazu gehört an erster Stelle das von 1695 bis 1698 in Augsburg geschaffene legendäre Silberbuffet, das bis 1939 im Rittersaal aufgestellt war und sich heute in Schloss Köpenick befindet.

Wir unterstützen die Gestaltung der Schlossumgebung nach historischem Vorbild einschließlich einer Rückführung der erhaltenen Monumente. Der Neptunbrunnen von Reinhold Begas wurde 1891 auf dem Schlossplatz eingeweiht, und die beiden Rossebändiger von Peter Clodt von Jürgensburg standen seit 1846 für annähernd einhundert Jahre auf der Lustgartenterrasse vor Portal IV.

Wir fordern deshalb:

Großes Treppenhaus, 1876

Großes Treppenhaus, 1876

Die Rekonstruktion des Großen Treppenhauses

Das von Andreas Schlüter geschaffene Treppenhaus war der Dreh- und Angelpunkt für die Erschließung der einzelnen Stockwerke auf der Spreeseite. Es eröffnete den feierlichen Zugang in die Paraderäume. Bautechnisch ist die Kubatur des Raumes bereits vorgehalten, allerdings wurde er als Lapidarium eingerichtet, in welchem bedeutende Originalskulpturen des Berliner Schlosses gezeigt werden. Dass gerade an dieser Stelle auf ein Treppenhaus verzichtet wurde, verunklärt die funktionalen Zusammenhänge des historischen Schlosses und konterkariert die Architektur der Portalfassade.

Das Große Treppenhaus ist fotografisch hervorragend dokumentiert. Zudem haben sich bedeutende stuckplastische Arbeiten Andreas Schlüters in den Beständen der Staatlichen Museen zu Berlin erhalten, darunter die sechs Atlanten aus dem Erdgeschoss sowie eine Stuckdecke von einem der Wendepodeste, die heute in Schloss Köpenick ausgestellt ist.

Die Rekonstruktion ausgewählter historischer Innenräume

Erst mit der Rekonstruktion ausgewählter historischer Innenräume findet die Errichtung der barocken Außenfassaden ihre sinngemäße Vollendung. Vor allem kommen hierfür die Schlüterschen Paradekammern im zweiten Obergeschoss in Frage, die hinter dem Großen Treppenhaus begannen und sich weiter entlang der Lustgartenseite erstreckten. Höhepunkt war der anderthalb Geschosse umfassende Rittersaal hinter Portal V, in dem sich das bedeutende Silberbuffet befand. Zahlreiche Farbdias erlauben die Rekonstruktion der wichtigsten Deckenmalereien, wie dies seit 1945 in vielen deutschen Residenzschlössern und zuletzt im Dresdner Schloss geschah.

Die Gesellschaft Berliner Schloss hat stets gefordert, die gesamte Nordspange im zweiten Obergeschoss, die vom Großen Treppenhaus mit dem Schweizersaal im Osten bis zum Weißen Saal mit der zugehörigen Treppe im Westen reichte, für eine sukzessive Rekonstruktion zu berücksichtigen und hier das historische Schloss wieder erlebbar werden zu lassen. Immerhin nimmt die moderne Raumstruktur in der östlichen Hälfte auf eine künftige Wiederherstellung der Paradekammern Rücksicht, während sich die Bildergalerie und der Weiße Saal im Westen nicht wiedererrichten lassen.

Rote Samtkammer, um 1935

Rote Samtkammer, um 1935

Rittersaal, 1935

Rittersaal, 1935

Die Rückführung der zahlreich erhaltenen Kunstwerke des Berliner Schlosses

Etwa ein Drittel der historischen Ausstattung des Berliner Schlosses, darunter Gemälde, Skulpturen, Wandteppiche, Möbel, Silber und Porzellane, ist erhalten geblieben und heute auf die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie verschiedene Berliner Museen verteilt. Fast nichts davon ist im Humboldt-Forum zu sehen. Dabei können diese Kunstwerke, viele von ihnen von außergewöhnlichem internationalen Rang, erst an ihrem angestammten Ort in der Mitte Berlins wieder ihre ursprüngliche Aussagekraft entfalten und die Aufmerksamkeit erfahren, die ihnen gebührt. An erster Stelle ist hier das barocke Silberbuffet aus dem Rittersaal zu nennen, das eng mit diesem Raum und der Geschichte des Schlosses verwoben ist. Seit seiner Rückführung aus der Sowjetunion wird es in Schloss Köpenick ausgestellt.

Die Wiederherstellung der historischen Lustgartenterrassen und die Rückführung der Rossebändiger und des Neptunbrunnens an ihren ursprünglichen Standort

Nachdem die barocken Fassaden des Berliner Schlosses mit großer Akribie und hohem finanziellen Aufwand rekonstruiert wurden, ist die Rückführung der wenigen originalen Monumente an ihren ursprünglichen Standort eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die Rossebändiger von Peter Clodt von Jürgensburg, ein Geschenk des russischen Zaren, standen seit 1846 für annähernd einhundert Jahre auf der Lustgartenterrasse vor Portal IV, ehe sie an ihren heutigen Standort im Kleistpark verbracht wurden. Der 1891 eingeweihte Neptunbrunnen wurde von Reinhold Begas eigens für den Schlossplatz geschaffen. Die Gesellschaft Berliner Schloss e.V. setzt sich für die Rückführung beider Denkmalgruppen an ihren ursprünglichen Standort ein. Zudem engagiert sie sich für die Wiederherstellung der historischen Lustgartenterrassen, wird doch die moderne Freiraumgestaltung deren künstlerischem Rang in keiner Weise gerecht.

Lustgartenterrasse mit Rossebändiger, um 1900

Lustgartenterrasse mit Rossebändiger, um 1880